Regelmäßig laufen im Panorama der Berlinale arabische Filme, doch sehr selten nur eröffnen sie die Sektion, daher war meine Freude groß als ich sah, dass Only Rebels Win von Regisseurin Danielle Arbid in 2026 diese Ehre zuteil wird. Nicht unbedingt, weil Arbid die aufregendste arabische Filmemacherin ist, sondern weil das arabische Kino in seiner Vielfalt und Heterogenität selten prominent auf der Berlinale vertreten ist. Mit der Übernahme Rabih El Khourys als Delegierter der Berlinale für den arabischen Raum wuchs die Anzahl von Filmen aus arabischen Ländern und sie wurden prominenter platziert, wie auch Yunan im Wettbewerb der letzten Edition. Dass sich das Panorama dazu entschieden hat, nun mit einem libanesischen Film zu eröffnen, ist eine bemerkenswerte Hervorhebung in der Kuration für den arabischen Film.
Zusätzlich spielt die Hauptrolle Palästinenserin Hiam Abbass, eine lebende Legende des arabischen Kinos, die aber auch in Hollywood unter Regisseurin wie Steven Spielberg, Ridley Scott, Denis Villeneuve und Jim Jarmusch oder in der Serie Succession einem internationalen Publikum bekannt sein dürfte. In Only Rebels Win spielt sie die in Beirut lebende Suzanne, die auf den jungen geflüchteten südsudanesischen Osmane, gespielt von Amine Benrachid, trifft und ihn unter ihre Fittiche nimmt. Zwischen den beiden wächst eine zärtliche und intime Liebesbeziehung heran, die sich dem Spott und der Häme aus Suzannes engstem Kreis widersetzen muss. Als Christin, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Witwe sind ihre Nachbarn und Kolleginnen empört über ihre Beziehung zu Osmane, der Muslim und nur halb so alt wie Suzanne ist. Die Vorurteile häufen sich, er würde sie nur benutzen und dem „Schwarzen“ könne man eh nicht trauen. Doch das frisch verliebt Paar bleibt zusammen, selbst als Danielles Kinder ihr drohen, den Kontakt abzubrechen.

Arbid präsentiert diese Liebesgeschichte, die unter unter keinem guten Stern steht, sehr einfühlsam und versöhnlich. Die Chemie zwischen Suzanne und Osmane ist sofort spürbar, sie begegnen sich auf Augenhöhe und sprechen die gleiche Sprache, wenn auch unterschiedliche Dialekte. Ihnen gemein ist, dass sie beide Fremdkörper im Libanon sind, er als Südsudanese und sie als Palästinenserin, jedoch ist in den Augen der libanesischen Gesellschaft nur einer der beiden tatsächlich auch ein Fremder. Die Anfeindungen, die dem Paar zuteil werden sind zum Großteil rassistischer und religiöser Natur, aber auch von der Familienehre ist oft die Rede, die Suzanne mit ihrer unehelichen Beziehung in den Dreck ziehen würde. Der Film ist in einer sehr spezifischen Gesellschaft situiert, die in punkto Liebe und Beziehungen eher konservative Ansichten vertritt, jedoch lässt sich diese Rahmung auch leicht auf andere Kontexte übertragen: Man sieht die deutsche Version dieses Films, bei der sich Corinna Harfouch in einen jungen syrischen Flüchtling verliebt, schon förmlich vor Augen.
Der Dreh des Films sollte eigentlich in Beirut selbst stattfinden, wurde jedoch aufgrund der Bombardierung der Stadt durch das israelische Militär ins Studio in Frankreich verlegt, wie ein Text zu Beginn des Films enthüllt. Die Außenaufnahmen seien den Straßen der Stadt so akkurat es geht nachempfunden. Tatsächlich ist diese inszenatorische Notlösung in eigentlich jeder Szene, wenn nicht sogar fast jeder Einstellung ersichtlich: Die Hintergründe sind lebensgroße gedruckte Bilder, vor denen die Darstellenden spielen und agieren, sie sind teils mehr und teils weniger flächig aber sind meist als zweidimensionale Flächen erkennbar und verraten ihre eigene Künstlichkeit. Genauso ist die Lichtsetzung und die Tonkulisse artifiziell, der Film bedient sich sowieso nicht an einem falschen Anspruch von Realismus, sondern nutzt die Umstände zu den eigenen Gunsten. Arbid verleiht dem Film eine ganz andere Textur, als die Straßen in Beirut in der Realität haben (man vergleiche mit Nadine Labakis Capernaum von 2018), die Stadt wirkt sanfter, lieblicher, weniger dreckig und ruppig. So transportiert der Film seine Figuren in eine Fantasiewelt, in der Beirut schön und ihre Liebe ungestört ist. Osmanes Ziel ist jedoch nicht der Libanon, sondern Europa, und so droht das Glück der beiden wieder zu zerbrechen, eine Unausweichlichkeit, die in der fantastischen letzten Einstellung ihre volle Kraft entfaltet.
Only Rebels Win ist ein zauberhafter Film, der seine Aufgabe, das Panorama feierlich zu eröffnen, mehr als brilliant erfüllt.

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