no good men ist unglaublich mittelmäßig – der perfekte Eröffnungsfilm

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Die Berlinale eröffnet in diesem Jahr mit dem Film No Good Men von der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat und in gewisser Weise ist er in all seiner Mittelmäßigkeit der perfekte Eröffnungsfilm. Durch seine formale und in weiten Strecken auch erzählerische Einfältigkeit erlaubt er es uns nämlich, dass wir gar nicht über den Film an sich sprechen müssen. Darum geht es bei der Berlinale Eröffnung nämlich auch gar nicht. Hier müssen Themen im Vordergrund stehen, irgendeine Message, hinter der sich eine breite Masse auch vereinen kann. 

Doch um was geht es hier? Wir sehen, wenn man es runterbricht, eine ziemlich herkömmliche Romanze zwischen einer frisch getrennten Frau, die der Überzeugung ist, dass es keine guten Männer gibt und einem Mann, der dann doch unerwartet nett zu ihr ist. Der einzige Clou an der ganzen Sache: der Film spielt in Kabul im Jahr 2021, kurz bevor die internationale Gemeinschaft das Land verlässt und die Taliban das Land übernehmen. Es geht also auch und vor allem um die afghanische Gesellschaft, wo Frauen schon vor den Taliban wenig zu melden hatten und Männer eigentlich tun und lassen können, was sie wollen. Deshalb ist unsere Hauptfigur auch der Überzeugung, dass es keine guten Männer in Afghanistan gäbe. Sie hat sich eigentlich zurückgezogen, ist desillusioniert, doch natürlich ist dann da dieser eine, der sie wieder von der Liebe überzeugen kann, mit dessen Hilfe sie wieder Stärke findet. Es wirkt generell ein wenig naiv und unterläuft womöglich auch die feministische Botschaft, wenn man sagt, dass ja doch nicht alle Männer schlecht seien. 

Filmstill aus No Good Men © Virginie Surdej
Anwar Hashimi und Shahrbanoo Sadat in No Good Men | © Virginie Surdej

Irgendwann bricht dann die Weltgeschichte in den Film ein: die Taliban übernehmen das Land und wer ihnen kritisch gegenüber steht, muss schleunigst das Land verlassen, um nicht um sein Leben fürchten zu müssen. Wir wissen, von hier an wird alles nur noch schlechter. Da entwickelt der Film kurz eine Dringlichkeit, die ihm schon früher etwas besser getan hätte. Leider liefert er mit seinen Schlussbildern dann doch wieder großen Kitsch. Aber trotzdem bleibt eine emanzipatorische Botschaft, auf die sich wohl alle einigen können. Dass die Taliban böse sind, wissen wir alle und den Frauen, die sich dieser Schreckensherrschaft entziehen wollen, kann wahrscheinlich sogar Wolfram Weimer applaudieren. Und all die deutschen Filmförderanstalten freuen sich auch. Deshalb müssen am Ende wohl auch die deutschen Soldaten nochmal als Retter auftreten. Ein wenig perfide, wenn wir mal bedenken, wie viele Ortskräfte damals von ihnen zurückgelassen wurden.

Was dem Film in seiner Rolle als perfekte Eröffnung ebenfalls zugute kommt, ist, dass er uns auch mit keiner anspruchsvollen Form belästigt, was für Leute, die tatsächlich einen guten Film sehen wollen, aber umso ärgerlicher ist. Klar, man kann diesen Film nicht in Kabul drehen, deshalb muss man sich zu helfen wissen. Leider geht man dabei aber so vor, wie man es halt in 90% der Fälle machen würde. Es ist ein wenig Filmemachen wie Malen-nach-Zahlen. Wir sehen viele Close-Ups ohne viel Schärfentiefe, damit man die Sets etwas kaschieren kann und draußen legt man noch einen Farbfilter drauf, damit es ein wenig nach Nahem Osten aussieht. Der Film findet wirklich kein einziges originelles Bild. Nichts das bleibt, oder woran man sich noch erinnern wird. 

Lustigerweise zeigt ein anderer Film, der ebenfalls heute Abend Premiere feiert, wie es interessanter gehen kann. Das Panorama wird vom Film Only Rebels Win eröffnet, der ebenfalls im Exil gedreht wurde und eine Liebesgeschichte erzählt. Doch dieser Film geht von Anfang an offensiv damit um und versucht es im Gegensatz zu No Good Men gar nicht erst, seine eigene Künstlichkeit zu kaschieren. 

Bleibt noch der Vergleich zum letztjährigen Eröffnungsfilm Das Licht von Tom Tykwer. Auch wenn der Film mit seinen drei Stunden viel zu lang war, muss man ihm immerhin lassen, dass er es zumindest probiert hat, filmisch zu erzählen, auch wenn er krachend dabei gescheitert ist. No Good Men wagt es dagegen gar nicht erst, uns irgendwas mit seiner Form zu erzählen. Man kann verstehen, dass man die Ehrengäste bei der Berlinale nicht mit formalen Experimenten belästigen will, aber ich würde mich im Zweifelsfall dann doch immer für das Kino entscheiden, auch wenn es krachend scheitert.

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