Einer der meist erwartetsten Filme im Berlinale Programm ist sicherlich The Moment, die Mockumentary von, mit und über Charli xcx. Auch für Leute wie mich, die ihre Musik nicht hören, war es in den letzten Jahren fast unmöglich nichts von ihr mitzukriegen. Der “brat summer” war überall, dominierte über Wochen die Popkultur und was das mit Künstlerin hinter dem Phänomen macht, ist in etwa das Thema des Films. In The Moment sehen wir Charli xcx, die sich selbst spielt und nach dem brat-Hype auf ihre Konzerttour vorbereitet. Wir sehen eine Künstlerin, an der alle zerren, ihr Management, das Label, die Öffentlichkeit und sie ist mittendrin und will natürlich ihre Integrität erhalten. Das Ganze ist als Mockumentary inszeniert und bietet uns also eine fiktive Geschichte. Frau xcx steckt also in der Vorbereitung ihrer Tour, die Proben beginnen, doch das Label will begleitend zu den Konzerten einen Film produzieren und engagiert dafür einen Regisseur, der von Alexander Skarsgard gespielt wird. Das Problem: Er hat natürlich eine ganz andere Vision von Charli xcx als der Rest. Er will sie massentauglicher machen, in ein Korsett pressen, dass von der ganzen Familie genossen werden kann und nicht so frech ist, wie sie bisher aufgetreten ist. Das führt natürlich zu Konflikten und zwischenzeitlich wird es ihr auch alles zu viel. Sie dreht frei und verprellt dabei auch ein paar gute Freunde. Es ist ein Film, der von dem Versuch handelt, nicht Teil des Hamsterrads zu werden, sich nicht von der Industrie kompromittieren zu lassen.

Doch genau dieser Widerspruch zwischen Innen und Außen ist der Kern des Problems, den dieser Film hat. Charli xcx hat für sich ja schon das Image des anderen Popstars kultiviert. Sie schreibt auch mal einen Essay auf Substack und gibt sich als Cineastin mit eigenem Letterboxd-Account. Doch so sehr sie auch gerne alternativ sein würde, ist sie natürlich total involviert darin, was The Moment auch satirisch kritisieren will: die Musikindustrie. Am symbolträchtigsten für die Branche steht im Film sicherlich Skarsgards Figur des Konzertfilm-Regisseurs. Über ihn und seine dämlichen Ideen wird sich praktisch konstant lustig gemacht. Der Film möchte über dieser Figur stehen, aber ist doch letztendlich nicht groß anders als sie. Denn was der Film erzählt ist eigentlich hochkonventionell. Wir kennen diese Geschichte über Künstler, die sich ihre kreative Eigenständigkeit bewahren wollen und gleichzeitig an ihrer Bekanntheit zerbrechen, zum Genüge. Eigentlich sehen wir das in fast jedem Musiker-Biopic und nur weil das hier jetzt als Mockumentary inszeniert ist, macht es das nicht viel origineller. Tatsächlich ist es auch eine große Enttäuschung, dass dem Film inszenatorisch mit seinem Genre nicht viel einfällt. Wir kriegen ein bisschen shaky-cam, Zooms und Close-Ups, wie man es aus dem Genre kennt. Aber sonst? Erstaunlich wenig Raum nimmt überraschenderweise die Musik ein. Wenig von der Energie, die Charli xcx auszuzeichnen scheint, überträgt sich auf den Film. Dabei beginnt er eigentlich recht vielversprechend. Da ballert die Musik laut und es flackern die Opening-Credits. Das ist eine Musikvideo-Optik, die dem Film insgesamt gut getan hätte. Vielleicht ist es auch ein Problem, dass mit Aidan Zamiri ein Debütant auf der Regieposition agiert.
Wir haben es bei The Moment also mit einem Film zu tun, der selbst gerne viel innovativer und unkonventioneller wäre, als er es am Ende ist. So zündet auch die Kritik, die er üben will, nicht. Wenn du über dem Mainstream stehen willst, hilft es nicht, wenn du im Endeffekt genau so konventionell inszenierst. Da kannst du dich noch so sehr über den Amazon Music Musikfilm lustig machen, aber das A24 Label allein macht deinen Film nicht zum Underground.

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